Cheerleading während Corona – Teil 2: Saisonplanung 20/21

Im zweiten Teil unserer “Cheerleading während Corona” Reihe geht es um das Thema Saisonplanung. Soll ich meine Routine der letzten Saison wiederverwenden? Wie helfe ich als Verein die finanzielle Belastung für meine Mitglieder und Familien gering zu halten? Sollte ich Meisterschaften, Anreise und Übernachtungen anders planen als vor der Pandemie?

Die Saisonplanung kann sich während Corona schwierig gestalten, wir geben euch ein paar Tipps (Bild: Pixabay/ Gerd Altmann)

Routines “recyclen” – ja oder nein?

In vielen amerikanischen Cheerleading-Foren gab es bereits im April die Diskussion, ob es klüger wäre einfach die Routines der vergangenen Saison zu “recyclen” – also diese wiederzuverwenden, statt Geld und Zeit in eine neue Routine zu investieren. Wir möchten dieses Thema hier gerne aufgreifen und euch ein paar Vor- und Nachteile zeigen.

Routine erneut verwenden – die Vorteile

  • Finanzielle Ersparnis: Durch das Wiederverwenden einer Routine könnt ihr eurem Verein und auch euren Mitgliedern Geld sparen – je nachdem wie viel ihr normalerweise für eine Routine ausgebt – sogar eine ganze Menge, da neue Musik, thematisch passende Schleifen, Kosten für Choreo usw. dann wegfallen
  • Zeitersparnis: Auch die Zeitersparnis ist ein wichtiger Punkt, denn durch die Trainingspause sind viele Trainingseinheiten „verloren“ gegangen. Euer Team kennt die „wiederverwendete“ Routine bereits und ihr müsst nicht wieder bei null anfangen, was Choreografie und Skills angeht, sondern könnt zeitnah auf eure alte Routine aufbauen.
  • Selbstbewusstsein stärken: Dadurch, dass eure Athleten die Routine bereits kennen, ist kein so großer Druck vorhanden, eine komplett neue Routine nach der langen Trainingspause möglichst schnell lernen zu müssen. Das kann auch helfen, das Selbstbewusstsein eurer Sportler zu stärken und ihnen den Spaß am Cheerleading wieder ins Bewusstsein zu führen.

Routine „recyclen“ – die Nachteile

  • Kein „Neustart“: Die Coronapause(n) waren bzw. sind nicht nur für Eltern und Vereine eine schwierige Zeit, sondern vor allem auch für eure Sportler. Insbesondere Kinder und Jugendliche haben in dieser Zeit wenig Mitspracherecht und wünschen sich nun vielleicht in ihrem Verein und in ihrem Sport eine Art „Neustart“. Diesen Neustart, der ja auch mit Vorfreude und dem Erlernen neuer Skills verbunden ist, könnt ihr eher durch eine neue Routine erreichen.
  • Neues Team: Egal ob durch Kündigungen, Vereinswechsel, neue Mitglieder oder Teamwechsel innerhalb des Vereins (z.B. in eine andere Alterskategorie) – kaum ein Team bleibt in der neuen Saison so bestehen, wie es in der Saison zuvor war. Und auch nach den „Lockdown-Pausen“ kann es durch Änderungen im Verein oder im Leben der Sportler zu neuen Teamzusammenstellungen kommen. Das bedeutet, dass nicht alle Sportler die „alte“ Routine kennen. Neue Sportler in eine Routine einzubauen bedeutet auch immer eine Veränderung der Stuntgruppen und eventuell auch ganzer Stuntsequenzen. Hier kann es sowohl für Coaches als auch Sportler einfacher sein mit einer komplett neuen Routine zu starten.
  • Routine könnte „wiedererkannt“ werden: Obwohl in der vergangenen Saison wahrscheinlich kaum ein Team seine Routine auf mehr als zwei oder drei Meisterschaften präsentieren konnte, gibt es doch die Möglichkeit, dass zumindest die Musik oder ein mit der Routine verbundenes Thema wiedererkannt werden könnte. Je nach persönlicher Präferenz kann dies natürlich ein Ausschlusskriterium für die Wiederverwendung der Routine sein.

Der Mittelweg – neue Routine mit Musik der vergangenen Saison

Wenn euch der Wiedererkennungswert eurer vergangenen Routine nicht stört, könnt ihr auch den Mittelweg wählen und eine (teilweise) neue Routine zu der Musik der vergangenen Saison erstellen. In diesem Fall spart ihr die Kosten für Musik und eventuell auch für Choreografie, wenn ihr zumindest Teile der Routine wiederverwendet. So könnt ihr beispielsweise Teile, die ihr besonders mögt – wie eine Stunt- oder Tumblingsequenz – beibehalten und andere Teile komplett neu gestalten.

Meisterschaftsplanung trotz einer möglichen “erneuten Corona-Welle”

Im Normalfall würden Vereine und Teams im Juli, August und September den Großteil ihrer neuen Saison planen – Private Coachings buchen, Camps planen, Anreise und Übernachtung für Meisterschaften heraussuchen und reservieren. Nun ist die Unsicherheit groß: Kann das geplante Private Coaching oder Camp stattfinden? Was passiert mit der Anreise und Übernachtung, wenn die Meisterschaft nicht stattfindet oder verschoben wird? Werden die Kosten zurückerstattet? Wir haben ein paar nützliche Tipps für euch zusammengetragen, mit denen ihr euer Risiko so gering wie möglich halten könnt.

  • Frühzeitige Terminplanung: Gebt euren Mitgliedern frühstmöglichst alle Termine durch, die eventuell als Camp- und Meisterschaftstermine infrage kommen. Dadurch können eure Mitglieder und deren Familien frühzeitig planen.
  • Vereinbarungen treffen: Wenn ihr eure Private Coachings, Camps und Meisterschaften trotzdem wie gewohnt buchen wollt, achtet darauf genaue Vereinbarungen zu treffen oder euch nach den „Corona-spezifischen“ Konditionen zu erkundigen. Vereinbart mit dem Anbieter was genau im Falle einer Corona-bedingten Absage passiert, mit welchen Kosten ihr dann eventuell trotzdem rechnen müsst und welche Möglichkeiten auf Umbuchung und Stornierung ihr habt. Haltet diese Vereinbarungen zu eurer eigenen Sicherheit immer schriftlich fest und lest euch die AGB des Anbieters aufmerksam durch, bevor ihr eine Buchung tätigt.
  • Stornokosten bei Beförderung und Übernachtung beachten: Bucht ihr eure An-/Abreise und Übernachtung für Meisterschaften ebenfalls frühzeitig um von den besten Preisen zu profitieren, solltet auf jeden Fall die Storno- und Umbuchungskosten beachten. Empfehlenswert ist momentan eine Buchung von Tarifen, die bis 24 Stunden vor Anreise kostenlos stornierbar sind, auch wenn diese oftmals ein wenig teurer sind. Diese zusätzlichen Kosten solltet ihr deshalb in eure Saisonplanung mit einkalkulieren, um auf der sicheren Seite zu sein. Viele Anbieter haben auch eine spezielle „Corona-Klausel“ in ihre AGB eingebaut, lest euch diese deshalb vor der Buchung aufmerksam durch, um sicherzugehen, dass die kostenlose Stornierung auch im Falle von Corona genutzt werden kann.

Finanzielle Belastung für Mitglieder und Familien gering halten – wie schaffe ich das?

Einen ersten „Tipp“ in diesem Bereich haben wir oben bereits genannt: Eure alte Routine zu „recyclen“ kann euch und euren Mitgliedern nicht nur Zeit, sondern auch einiges an Geld sparen. Doch wie könnt ihr eure Mitglieder und deren Familien finanziell noch entlasten?

  • Meisterschafts-Budget anpassen: Ihr habt mehrmals in der Saison große Meisterschaften, die mit einer teuren Anreise und Übernachtung verbunden sind? Wenn möglich könnt ihr nun die Gelegenheit nutzen, um vielleicht an ein paar kleineren Meisterschaften teilzunehmen, die kein so hohes Budget erfordern und eine große Meisterschaft zum Saison-Ende zu einem besonderen Event zu machen. Natürlich ist dies von der Entwicklung der Pandemie-Situation abhängig und Pläne müssen derzeit oft geändert werden.
  • Kosten für Ausstattung: Vielleicht habt ihr die Möglichkeit innerhalb eures Vereins eine „Cheerleading-Flohmarkt-Gruppe“ über eine Messenger-App einzurichten, um euren Mitgliedern zu ermöglichen gebrauchte und zu klein gewordene Schuhe und Kleidung von anderen Mitgliedern zu kaufen. Das schont den Geldbeutel und auch die Umwelt.
  • „Fundraising“-Ideen umsetzen: Für erfolgreiches Fundraising gibt es viele tolle Ideen und Möglichkeiten, die über das typische Online-Fundraising oder Crowdfunding hinausgehen. Wollt ihr eine neue Uniform anschaffen, die von euren Mitgliedern selbst gezahlt werden muss? Macht eine schöne „Please fund my Uniform“-Karte mit dem Design eurer Uniform. Jedes Mitglied kann sich dann im Bekanntenkreis oder innerhalb der Familie einen Teil der Uniform sponsern lassen – z.B. einen Ärmel für 5,-€ usw. Diese Art von Fundraising für Uniformen ist in den USA schon lange eine „Tradition“ im Allstar-Cheerleading und wird auch hier immer beliebter.

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