Drills vs. Spotting – wie gestalte ich erfolgreiche Tumbling-Trainings

Trainingsaufteilung und Struktur

Für erfolgreiche Tumbling Trainingseinheiten und ein zielführendes Tumbling-Training ist die richtige Trainingsaufteilung und Struktur sehr wichtig. Egal ob ihr ein gesondertes Tumblingtraining habt, an dem alle Athleten Level-übergreifend teilnehmen oder euer Bodenturnen in die Teamtrainings integriert, wir haben einige Tipps und Tricks wie ihr eure Trainings effektiv und motivierend gestalten könnt.

Um schöne Tumbling Skills zu lernen, ist ein gut strukturiertes Bodenturn-Training wichtig. (Bild: Gym&Cheer)
Tumbling ins Teamtraining integrieren

Bodenturnen ins Teamtraining zu integrieren ist nicht immer ganz einfach, vor allem weil Cheerleading viele verschiedene Teilbereiche hat, die trainiert werden müssen. Eine weitere Schwierigkeit, vor der vor allem europäische Teams stehen, ist der große Leistungsunterschied innerhalb der Teams. In einem Seniorteam hat man oftmals Sportler*innen die an einem Rad arbeiten und andere, die Strecksalti oder Schrauben tumbeln. Wie findet man hier ein gutes Trainingssystem um allen gerecht zu werden?

Hier möchten wir euch ein Zirkeltraining mit Drill-Stationen ans Herz legen. Viele Stationen können dabei für eine Vielzahl an Drills – von Rolle bis Schraube – verwendet werden und sind somit levelübergreifend verwendbar. Falls ihr Inspiration für eure Drills sucht, seht in unserer Drill-Datenbank nach oder lasst euch auf Social Media von Hashtags wie #backwalkoverdrills inspirieren.

Eine gute Struktur wäre hierbei beispielsweise fünf Drill-Stationen aufzubauen und die Sportler*innen in Gruppen einzuteilen, die bei eurer Teamgröße sinnvoll sind. Bei einem Team von 15 Personen wären es dann zum Beispiel drei Personen pro Gruppe. Jede Gruppe arbeitet dann 1:30 Minuten intensiv an den Drills – je nach Drill-Station vorzugsweise gleichzeitig oder im durchgehenden Wechsel – und hat dann 30 Sekunden Zeit die Station zu wechseln und kurz durchzuatmen. Innerhalb von 10 Minuten seid ihr ein Mal durch das Zirkeltraining durch, habt ein intensives Tumbling-Training in das normale Teamtraining integriert und noch genug Zeit entweder eine gespottete Tumbling-Einheit, in welcher die Sportler*innen ihre Skills dann zum Beispiel auf Musik machen können, anzuhängen. Oder ihr führt das Zirkeltraining zwei Mal entweder mit den gleichen Drills oder in der zweiten Runde mit anderen Drills durch, um einen längeren Fokus auf das Tumbling zu legen.

Lasst euch nicht entmutigen: Die ersten Drill-Zirkel werden etwas länger dauern, da ihr Drills erklären und vielleicht häufiger verbessern müsst. Sobald alle Sportler*innen ihre Drills kennen, könnt ihr dann aber sofort loslegen und kommt auch auf die oben angegebenen 10 bis 20 Minuten.

Egal ob im Gym oder in einer „normalen“ Sporthalle – mit Weichbodenmatten, Kästen und Sprungbrettern kann ein intensiver Tumbling-Zirkel gestaltet werden. (Bild: Pexels/Andrea Piacquadio)
Gesonderte Bodenturn-Trainingseinheit effektiv gestalten

Eine gesonderte Tumbling-Zeit hat natürlich ein paar Vorteile gegenüber der Integration in ein Teamtraining. Auf der einen Seite habt ihr wahrscheinlich mehr Zeit euch nur auf das Bodenturnen zu konzentrieren. Das bedeutet auch, dass ihr Drill-Stationen gezielter nach Level- und Leistungsstand aufbauen könnt und eure Sportler*innen besser auf diese verteilen könnt. Auch hier könnt ihr eine Art Zirkeltraining anwenden, oder ihr gebt eine bestimmte Anzahl an Wiederholungen pro Drill vor. Außerdem habt ihr wahrscheinlich auch mehr Zeit, die bereits gelernten Skills zu tumbeln und auf Musik zu machen.

Andererseits kann es auch sein – vor allem wenn ihr nur ein Tumbling-Training pro Woche habt – dass ihr sehr viele Sportler*innen in der Halle habt, die alle etwas zu tun brauchen.

Um eine gesonderte Tumbling-Einheit effektiv zu gestalten, solltet ihr euch ein Warm-up überlegen, welches genau auf das Bodenturnen ausgelegt ist und vielleicht sogar bereits einige Basic-Drills umfasst. Auch Sportler*innen die bereits an schwierigeren Elementen arbeiten, schadet eine regelmäßige Wiederholung der Basics nicht und auch für Neulinge werden direkt beim Aufwärmen die Grundlagen immer wieder aufgefrischt. Die Sportler*innen können danach dann direkt mit den „schwierigeren“ Drills starten. So kann zum Beispiel jemand, der an einer Rolle oder einem Rad arbeitet, nach dem Warm-up bereits mit Drills für eine Radwende starten, da die Drills für Rolle und Rad bereits im Aufwärmen integriert waren. Dies motiviert die Sportler*innen, da sie merken, dass sie an etwas fortgeschritteneren Drills arbeiten dürfen. Und trotzdem habt ihr alle Basics innerhalb der ersten Minuten des Trainings bereits abgedeckt.

Warum sind Tumbling-Drills wichtig?

Der #drillsforskills ist in den letzten Monaten auf den sozialen Netzwerken explodiert, plötzlich gibt es überall eine Vielzahl an Drills für Tumbling: in unserem Social Media Feed, in Facebook Cheerleading Gruppen und andere Coaches fragen uns ebenfalls immer wieder nach Drills.

Drills haben einen sehr großen Vorteil gegenüber dem reinen Erlernen von Skills durch Spotting: Der Tumbling-Skill wird in seine Einzelteile „aufgebrochen“ und die Sportler*innen können diese einzelnen Bewegungsabläufe dann ganz isoliert lernen. Das bringt den Vorteil, dass sie sich nur auf einen einzigen Bewegungsablauf konzentrieren und diesen effektiv einüben können. Im Tumbling gibt es oft das Problem, dass die komplexen Bewegungsabläufe der Elemente für die Sportler*innen schnell „zu viel“ werden und sich dann Fehler einschleichen. Durch das isolierte Training aller Bewegungsabläufe in einzelnen Drills kann der Körper und das sogenannte „muskuläre Gedächtnis“ diese „abspeichern“ und später sehr viel leichter zu einem Skill zusammensetzen.

Außerdem kannst du als Coach nur eingeschränkt Verbesserungen vornehmen, wenn du zu nah am Tumbling-Element stehst bzw. als Spotter sogar daran beteiligt bist. Du wirst deine Korrekturen also auf einem Gefühl basieren – wie sich der Skill für dich als Spotter anfühlt. Das kann problematisch sein, da du zwar Teile, aber nicht alle Aspekte der Ausführung sehen und beurteilen kannst. Vor allem, wenn dein*e Sportler*in noch am Anfang des Lernprozesses steht, kannst du durch das Korrigieren von Drills eine viel größere Hilfestellung bieten und dadurch zu einer besseren Entwicklung der Skills beitragen.

Wenn du spottest, kannst du dich immer nur auf eine Person konzentrieren. Mithilfe von Drills kannst du aber mehrere Personen, welche den gleichen Drill ausführen, gleichzeitig beobachten und korrigieren. Dadurch können deine Athlet*innen die Trainingszeit viel effektiver nutzen. Statt anzustehen und darauf zu warten, an der Reihe zu sein um gespottet zu werden, arbeiten deine Sportler*innen durchgehend an sinnvollen Übungen um ihre Tumbling-Elemente zu verbessern.

Einer der wichtigsten Gründe Drills zu verwenden ist aber dieser; mit Drills können die Athlet*innen unabhängig lernen und tumblen. Diese Unabhängigkeit ist wichtig, damit die Sportler*innen selbstbewusster und sicherer im eigenen Können werden können. Diese Freiheit ist nicht nur körperlich wichtig – alleine zu üben, ohne auf einen Spotter angewiesen zu sein, der gerade Zeit hat – aber auch mental. Die mentale Freiheit hilft deinen Sportler*innen ein besseres Verständnis für das “Ich bin bereit für den Skill”-Gefühl zu bekommen und wird dabei helfen “mental blocks” zu vermeiden.

Wann sollte ich spotten und wann nicht?

Wie bereits erwähnt, ist das Spotten vor allem zu Beginn des Lernprozesses nicht empfehlenswert. Zu diesem Zeitpunkt haben die Sportler*innen noch gar kein Gefühl und keine Erfahrung für einen Skill und ein einfaches „Machen“ des Skills ohne zuvor durch Drills die Bewegungen einzeln gelernt zu haben oder das „Herumheben“ durch einen Spotter birgt viele Probleme, die sich erst im späteren Verlauf – durch schlechte Ausführung oder „bad habits“ – zeigen.

Sobald die Sportler*innen den Bewegungsablauf jedoch durch regelmäßiges Wiederholen der Drills verinnerlicht haben, kann der Spotter dabei helfen, den Skill auch wirklich auszuführen und Probleme, die dann bei der direkten Ausführung entstehen, ebenfalls durch gezielte Drills zu korrigieren.

Generell sollte der Prozentsatz des Spottens unter 20% liegen – also maximal 20% der Zeit Spotten und 80% der Zeit Drills. Eine noch bessere Verteilung wäre, den Athleten hauptsächlich Drills machen zu lassen und dann nur ein bis zwei Mal zu spotten um technische Fehler erneut direkt mit Drills zu korrigieren. Das Ziel des Tumbling-Trainings sollte sein, dass die Sportler*innen so viel wie möglich ohne einen Spotter üben können und diesen auch bei der tatsächlichen Ausführung des Skills eigentlich nicht brauchen – außer für die ersten zwei bis drei Versuche.

Denkt immer daran: Der Spotter ist eine Hilfestellung und kein „Herumheber“. Durch weniger Spotten und mehr Drills unterstützt ihr eure Cheerleader und könnt ihnen als Coaches noch effektiver helfen.

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